M'era Luna Festival 2007


Hildesheim, 11./12. August 2007


Samstag
Auch dieses Jahr zog es wieder Unmengen an Fans der mehr oder weniger düsteren Klänge nach Hildesheim, um das inzwischen schon traditionelle M’era Luna Festival zu besuchen um ein düster-sonniges Musikwochenende zu erleben und nicht zuletzt seinen Lieblingsbands zu frönen.
Allerdings sah es Anfangs doch ein wenig nach einem eher verregneten Wochenende aus, denn auf dem Wege nach Hildesheim goss es wie aus Kannen, doch das Wetter erbarmte sich dann wohl doch der schwarzen Seelen, und so kamen, je näher man sich dem Festivalgeschehen näherte, doch vereinzelte Sonnenstrahlen zum Vorschein, zumindest den Regen haben wir dann doch auf der Strecke gelassen.
Leider kamen wir auf Grund unvorhersehbarer Missgeschicke in Sachen Mobilität ein wenig zu spät zum Festival, so dass wir die ersten Künstler nur von weitem wahrnahmen, und zwei sogar ganz verpassten. Aber nichts desto trotz war all der Stress vom frühen Morgen und die weite anstrengende Anreise vergessen, als sich uns das altbekannte Gelände im typischen M’era Luna Flair vor uns auftat.
Das Gelände, inzwischen verhältnismäßig trocken, Unmengen an Ständen zum verweilen und stillen von Hunger und Durst, sowie die altbekannte Shoppingmeile waren schon gut besucht.
Kurz und gut, das M’era Luna präsentierte sich in seinem gesamten Umfeld, wie man es eben kennt und liebt, und mit der Bandauswahl für das Wochenende hatte man auch für jeden Geschmack was dabei, so dass sich die Schwarzkittel rundum wohl fühlen durften…


Im Hangar spielten inzwischen DOWN BELOW, welche ich gerade noch so, auf Grund unseres zu spät Kommens, erwischte und auch da fanden sich zur Mittagstunde schon ne Menge Fans ein. Die Band gab sich in bester Spiellaune und war somit ein netter Empfang und Auftakt für uns.
Nun, da ich mir nicht jede Band bis zum Ende anschauen konnte, um pünktlich wieder bei der nächsten zu sein, damit ich euch auch ne Menge bildliche Eindrücke mitbringen konnte, möchte ich euch zusammenfassend zu den von mir als so empfundenen Highlights etwas berichten.
Der Samstag setzte sich mit JESUS ON EXTASY fort, welche Anfang 2007 berechtigterweise raketenartig als Newcomer durchgestartet sind, und daher dieses Jahr auf fast jedem Festival zu sehen waren. Mit ihrem aktuellem Debüt „All Beauties Die“ rockten sie die Hauptbühne zur Mittagstunde recht heftig, wobei ich JOE auf dem kürzlich gesehenem Woodstage – Auftritt doch etwas Publikumsnäher empfand.
Der Samstag änderte sich ständig im Line Up, auf Grund von Bands, welche sich im Stau befanden, und nicht zuletzt dadurch, dass ANIMAL ALPHA letztendlich gar nicht auftraten. Also war der nächste Act FAIR TO MIDLAND an der Reihe, eine recht quirlige hierzulande zumeist unbekannte Band, welche mit rockigen Einlagen das anwesende Publikum versuchten anzuheizen.


Die nächste erwähnenswerte Band des Samstags welche sich ebenfalls verfrüht ankündigte, zum Leiden derjenigen Fans, welche die Zeitänderung nicht mitbekommen haben, waren PAIN. Die Mannen um Peter Tägtgren fanden den richtigen harten Ton um den sich der im Hangar eingefundenen Langhaarfraktion richtig einzuheizen, egal ob man mit Beifall animierte oder einlud zum mitträllern, alles wurde dankend von den Fans der Industrial Rocker erwidert und die Stimmung war recht gut. Schließlich war man ja auch mit neuem Album gut gerüstet, um auf dem M’era Luna so richtig durchzustarten, was einzigartig gelang.
Inzwischen hatte sich auf der Hauptbühne auch so einiges getan, nach zwei mittelprächtigen Elektroacts, namens NECRO FACILITY und ASSAMBLE 23 standen die Damen von CLIENT aus England auf der großen Bühne des M’era Luna. Mit gewohnter Gelassenheit und Eleganz präsentierten sie ihre unverwechselbaren Songs, welche in ihrer Art ihresgleichen nicht finden werden, sehr edel und ansprechend. CLIENT steht eben für einen ganz eigenen Sound und den anwesenden Herren wird sicherlich nicht nur die Musik sondern auch der Anblick gefallen haben.


Im Hangar waren inzwischen CULTUS FEROX mit ihrem Umbau fertig, die Mittelalter Rocker wurden herzlich von den Anwesenden empfangen und dankten dies mit einer geballten Ladung an Energie, guter Laune und Mittelalterrock. Im spektakulären Outfit präsentierten sie sich standesgemäß und boten dem Publikum nicht nur einen guten Batzen Mittelalter Rock sondern auch eine wirklich phantastische Show, mit der die Berliner die Leute mitzureisen und zum tanzen zu animieren wussten.
COVENANT schlossen sich pünktlich den Damen aus England auf der Hauptbühne an, der charismatische Schwede im kühlen Look, d.h. im weißen Anzug mit ebenso weißem Hut, zeigte dem M’era Luna Publikum, dass sich doch eine ziemliche Portion von heißem Synthie- Sound hinter dieser kühlen Kulisse verbarg. Es war nicht zu übersehen, dass die Songs bei den Leuten gut ankamen, meldeten sich die Schweden doch mit ihrem letzen Album SKYSHAPER, welches zwar schon zwei Jahre zurückliegt, sehr erfolgreich zurück.
Sehr überrascht hat mich die alteingesessene Gothic-Band aus UK, welche den mysteriösen Namen NOSFERATU mit sich trugen. Ich hatte nie zuvor von ihnen gehört, sie geschweige denn gesehen, was ich allerdings inzwischen sehr bedauere, denn ich war sehr positiv von dieser Ausnahmeband überrascht. Mit ihrem puristischen Stil und dem smarten Sänger Louis DeWray präsentierten NOSFERATU einen akustischen Leckerbissen der alten Schule.


DIR EN GREY rockten inzwischen die Hauptbühne wie wild, ein explosives Gemisch aus garstigen Growls, Geschrei und hohen ruhigen Tönen brachte der kleine Japaner aus seiner Kehle, wobei er auf’s heftigste von seinen Mitmusikern unterstützt wurde. Harte Riffs waren übers gesamte Gelände zu hören und lockten eine Vielzahl von Schwarzkitteln an, wobei die erste Reihe recht dicke mit der jüngeren weiblichen Fraktion gefüllt war.
EMILIE AUTUM, waren meines Erachtens rein musikalisch gesehen nichts spektakuläres, wurde um diesen Act doch schon seit geraumer Zeit ein ziemlicher Rummel gemacht. Die Show, welche uns die Mädels allerdings boten, war schon sehr phantasievoll gestaltet, und erinnerte irgendwie an ein Märchen der Art „Alice im Wunderland“ oder ähnlichem. Nichts desto trotz wurden die märchenhaft gekleideten jungen Frauen bejubelt und beklatscht, und begeisterten ihr Publikum anscheinend recht gut.
Zu SCHANDMAUL und AND ONE muss ich wohl nichts weiter sagen, zwei Bands, die unterschiedlicher nicht sein können, und sich ihre Fanbase im Laufe der Jahre erspielt haben. Beide Bands gaben, wie gewohnt, ein Energiegeladenes Set, welches zum mittanzen animierte. Gute Laune war Pflicht bei beiden Bands, und diese Steckte die anwesende Schar auch bis in die letzten Reihen an.
So langsam ging der erste Tag des M’era Luna dem Ende entgegen, im Hangar waren noch MY DYING BRIDE zugegen, welche ein solides Konzert boten, und anschließend gab es noch einmal einen riesigen elektronischen Knaller mit SUICIDE COMMANDO. Die Formation feierte erst ihr 20-jähriges Bandjubiläum, und ich will meinen, die Menge feierte bei diesem Auftritt nachhaltig noch ganz gewaltig mit. Nicht umsonst sind SUICIDE COMMANDO eine der in den Clubs meist gespielten Bands. Für den Hangar ein großartiger Abschluss des ersten Tages und für die Anhänger der düster elektronischen Krachmacher sicherlich ein lang anhaltendes Konzerterlebnis.
Den absoluten Schluss des Tages bildeten TOOL, von vielen heiß erwartet, und sicherlich war diese Band für so manchen, das M’era Luna überhaupt zu besuchen. Letzten Sommer erst veröffentlichten TOOL ihren letzten Longplayer „10 000 Days“ Leider Habe ich TOOL live noch nicht erleben dürfen, daher kann ich keinen Vergleich anstellen zu Clubkonzerten oder ähnlichem, ich empfand die Show als nichts herausragendes und hatte mir wohl bisschen was anderes vorgestellt. Die angereisten Fans schienen zufrieden und applaudierten dementsprechend, was dann wohl letztendlich das wichtigste war.

Sonntag
Tag zwei des diesjährigen M’era Luna zeigte sich wettertechnisch sehr freundlich, die Sonne begrüßte uns schon beim Frühstück, und da es am Vortag auch trocken geblieben ist, musste man keine Angst vor einer schon oftmals erlebten Schlammschlacht haben.
Auch der Sonntag hatte einige beträchtlich geniale Bands am Start auf welche ich doch schon sehr gespannt war.
Der Hangar war diesmal für die Elektro- Liebhaber reserviert, und somit startete der Tag auch recht knackig mit PROCEED, IMPLANT und ANGELS & AGONIE. Letztere waren eher der melodischeren gefühlvolleren Variante zugetan, und waren eine Art akustische Erholung zu den beiden ersteren Acts.


Auf der Hauptbühne wurde der Sonntag mit dem Newcomer BIG BOY eröffnet, welcher mit seinem Glam Rock Attitüden sicher so manchen Langschläfer aus dem Zelt holte. Recht rockig und frech gab sich der Deutsch-Schwede und begeisterte sicherlich das eine oder andere Gothic Girlie nachhaltig.
Frech und quirlig ging es auch weiter, begleitet von kräftigen Gitarren kündigten sich WARREN SUICIDE an, die Berliner Formation, welche bis heute noch kein Album herausgebracht hat, lieferte ein Rockorientierte Show mit vollem Körper- und Instrumenteneinsatz, ab und an wirkte der Sänger sogar ein wenig Hyperaktiv, und die Band lies es sich nicht nehmen, das M’era Luna und ihre Gäste auf ihre ganz besondere Art zu begrüßen. Der Sound zum Mittag war jedenfalls großartig, und der beigesteuerte Applaus von Seiten des Publikums bestätigte dies.
Im Hangar waren nun DIORAMA am Zuge, welche in Sachen M’era Luna zum ersten Male am Start waren. Mit ihrem soliden Wave Stil sind sie eine gern gehörte und auch gesehene Band hierzulande, obwohl sie sich live doch nicht allzu oft zeigen, und akustisch hatten DIORAMA einiges aus „Different Life“ zu bieten.
RABIA SORDA alias Erk Aicrag, seines Namens auch als Sänger von HOCICO bekannt, kam anschließend mit seinem Seitenprojekt zur Sache. Mit seinem Dark Elektro, teilweise brachial, teilweise auch melodiebetont, heizte er den Anwesenden Schwarzkittel recht gewaltig ein, welche sicherlich bei diesen Temperaturen auch schon so genug am schwitzen waren. Nichts desto trotz wurde bis in die hinteren Reihen abgetanzt
Auch draußen an der Hauptbühne war es kein bisschen kühler, was nicht nur am zurückgekehrten Sommerwetter lag, KRYPTERIA gaben ihren Gothic Metal zum Besten, und dies nicht nur zur Freude der Haarkreisenden Fraktion. Sängerin Ji-In mit ihrer kraftvollen Stimme wurde von ihren Bandkollegen spielfreudig mit einzigartigem krachendem Metalsound unterstützt. Und wo man doch einmal bei der Sache war, konnten Liebhaber des düsteren Gothic Rock auch gleich noch auf ihre Kosten kommen, denn LACRIMAS PROFUNDERE standen als nächstes auf der Hauptbühne. Die Münchner Düsterrocker hatten diesmal einen ganz neuen Sänger mitgebracht, nachdem auf dem WOODSTAGE das neue LP Mitglied Peter den Part des ehemaligen Sängers Christopher übernommen hatte, war mir dieser Herr, der krampfhaft versuchte einen finnischen Düsterrockstar (Namen spare ich mir mal, wer vor Ort war weiß sicher was ich meine ;-) und auch die Bilder sprechen für sich…) nachzuahmen, ganz und gar unbekannt. Soundmäßig allerdings tat es der musikalischen Qualität keinen Abbruch, und das ist ja schließlich die Hauptsache. Auf der Hauptbühne war allerdings noch lange nicht Schluss mit Gothic Rock. Nachdem die CRÜXSHADOWS ihren Teil zum diesjährigen Mèra Luna auch beigetragen hatten war es für Jyrki 69 und seine Jungs an der Zeit, die Gothic Girls der Nation glücklich zu machen. Mit altbekanntem gelang es den Finnen auch trotz Sonnenschein oder gerade wegen(?) den zumeist weiblichen Fans einzuheizen, und diese bedankten sich mit viel Geschrei und Applaus.


Im Hangar ging es derweil weiterhin elektronisch zur Sache, mal härter mal Melodienverliebter, für jeden das richtige dabei. Dabei gab es von 32CRASH über WELLE ERDBALL bis hin zu den noch recht unbekannten Act I AM X ein ziemlich breites Spektrum an elektronischen Klängen.
Als letztes war ANNE CLARK angekündigt. Für mich persönlich ein kleines Highlight, bin ich doch sozusagen mit ihrer Musik in der Szene „aufgewachsen“, hatte allerdings noch nie die Gelegenheit die live zu erleben, und wurde auch kein bisschen enttäuscht. Ein ruhiger emotionaler Ohrenschmaus und Ausklang für den Hangar.
Auf der Hauptbühne ging es nun auch langsam dem Ende entgegen. Die letzten drei Bands standen in den Startlöchern, und als nächste standen die Amerikaner SKINNY PUPPY auf der Bühne. Mit neuem Album im Gepäck und neuer Show (zumindest für mich, als ich sie das letzte mal sah, erschien man noch im Vogelkostüm) ließ es sich die 2 Mann Formation wieder nicht nehmen, nicht nur für ein musikalisches Erlebnis zu sorgen, sondern auch für ein optisches. Ein Blutbad der allerersten Sahne veranstaltete der Sänger schon während der ersten drei Songs, so war er schon am Anfang der Show mit roter Flüssigkeit durchtränkt.
Ein ganz anderer, deshalb aber nicht minderer Ohren- und Augenschmaus tat sich anschließend für alle Liebhaber der ruhigeren Töne auf, als Alexander Viljanow mit der gesamten Neuen Philharmonie Frankfurt die Bühne für die nächste Zeit sein Eigen nannte. Die mehr oder weniger bekannten Hits von DEINE LAKAIEN wurden im klassischen Gewand dargeboten, und obwohl sich Herr Viljanow vom Krach welcher noch aus dem Hangar herüberkam gestört fühlte, waren seine Fans wohl etwas verständnisvoller. Aber alsbald kehrte dort Ruhe ein, und so konnte die Darbietung ungestört weitergehen.


Der letzte Act des diesjährigen M’era Luna waren THE JESUS AND MARY CHAIN. Was auch immer diese Band wohl so besonderes haben sollte neben ihren Nachruf als Legende, ich fand nichts wirklich Beeindruckendes auf der Bühne. Ein sehr bewegungsmuffeliger Mensch welcher sich kaum zu irgendwelchen Worten hinreisen ließ erschien zum Sonnenuntergang auf den Brettern und auch musikalisch fand ich den Headliner des Sonntags nicht berauschend. Daher entschied ich mich, wie wohl ein Großteil der Besucher auch, nach ein paar Songs der Formation das M’era Luna zu verlassen und dem Festival bis in’s nächste Jahr erst mal GOOD BYE zu sagen…

Peggy (für gothics-nature.biz)