Transit Poetry

 

TRANSIT POETRY - Mit der Kunst die Ewigkeit ausloten...

Das Zweite Werk des Multitalents Sascha Blach widmet sich ganz und gar dem Element Feuer, womit sich die spirituelle Konzept-Reise fortsetzt. Wohin die Reise führen wird, wollte ich gern von Sascha erfahren...

[Peggy]:
Hallo Sascha, es freut mich das du dir die Zeit nimmst, um mir zu deinem neuen Werk "Shamanic Passage Through The Embers" ein paar Fragen zu beantworten. Fast auf den Tag genau ein Jahr nach deinem Debüt "Themes From The Desolate Ocean", welches sich ja dem Element Wasser widmete, erscheint nun in kürze das zweite TRANSIT POETRY Album. Wie fühlst du dich so, jetzt wo endlich alle Arbeiten am neuen Album beendet sind?

Sascha: Naja, die Platte ist ja nicht erst seit gestern im Kasten, so dass ich mittlerweile schon ein paar Wochen Abstand habe und gedanklich schon wieder in neuen Projekten wirke. Prinzipiell gestaltete sich das Arbeiten diesmal viel entspannter und zufriedenstellender als für "Themes From The Desolate Ocean", schlichtweg weil ich mich sicherer fühlte in Punkto Songwriting, Produktion und Mix und mir die Technik diesmal keine großen Streiche spielte. Und bisher habe ich auch nichts auszusetzen an "Shamanic Passage Through The Embers". Ich kann mir das Album komplett anhören und fühle mich gut dabei. Im Moment habe ich sogar ein wenig Angst, es beim nächsten Mal nicht noch einmal so gut hinzubekommen...

[P]: Kannst du mir noch einmal kurz schildern, welche Idee dahinter stand, gleich einen ganzen Elemente Zyklus in Form von vier Alben zu machen? Ein ziemlich großes Vorhaben für ein damals noch ganz frisches Projekt, welches dich ja auch in gewisser Weise auf eine bestimmte Zeit festnagelt. Oder wünschst du dir manchmal einen anderen Weg eingeschlagen zu haben?

Sascha: Nein, ich stehe nach wie vor zu 100 Prozent hinter diesem Wagnis und fühle, dass es da schon viele Ideen für die nächsten beiden Alben gibt. Außerdem ist ja bereits Halbzeit;-) Die grundsätzliche Idee war eigentlich, aus kleinen Teilen ein großes Ganzes zu erschaffen, eine Art Gesamtkunstwerk. Die vier Elemente Wasser, Feuer, Erde und Luft stehen für mich symbolisch für alles Materielle, die eigentlich darin wirkende Kraft ist jedoch etwas Spirituelles, das es mit dem Konzept zu erfassen gilt. Es ist also eine Art Ergründungsreise, die mich (und auch den Hörer, wenn er mag...) zur Essenz unseres Seins führen soll. Es ist meine Art, mit der Kunst die Ewigkeit auszuloten, indem ich versuche, viele kleine Partikel einzufangen und sie wie in einem Puzzle zusammen zu fügen. Ob am Ende eine Antwort steht, bleibt abzuwarten, denn alles ist ein laufender Prozess. Ich glaube zwar nicht, dass dieser nach vier Alben abgeschlossen sein wird, aber das wird sich noch zeigen...

[P]:
Wieso gerade als Zweites das Element FEUER, Absicht oder einfach zufällig gewählt?

Sascha: Hm, kein Zufall, aber auch keine Berechnung. Letztlich gibt es bei der Anordnung der Elemente keine Hierarchie, so gesehen ist die Behandlung der Themen gewissermaßen willkürlich. Jedoch habe ich das Gefühl, dass sich mir die Themen quasi wie von selbst aufdrängen. Ich habe also nicht wirklich eine Wahl ;-)

[P]: Nun sind ja auf dem neuen Album sehr energische, mitreißende & treibende Songs vorhanden, wie z.B. "The Sunvoyager", als auch ziemlich düstere und nachdenkliche. "Paradise Apocalypse" fällt mir da gerade ein. Ganz nach dem Motto "Himmelhochjauchzend zu Tode betrübt" ... wie kam es zu solch untereinander kontrastreichen Songs?

Sascha: Letztendlich sind alles Facetten von Transit Poetry. Ich liebe Alben, die abwechslungsreich sind und zeigen, dass sich der Künstler die Mühe gemacht hat, jedem Song einen eigenen Charakter zu verleihen. Nichtsdestotrotz sollte eine Platte wie aus einem Guss wirken und nicht wie ein Flickenteppich, bei dem kein Teil zum anderen passt. Soweit zur Theorie. In der Praxis entstehen die Transit Poetry Songs jedoch sehr natürlich, sie lassen sich nicht planen. Ich setze mich hin und warte, was mich diesmal erreicht. Die Stücke geben dabei ihre Richtung selbst vor, man muss ihnen nur folgen. Deswegen würde ich sagen, ist diese Abwechslung bei Transit Poetry eine Sache, die ich nicht steuern kann, sie entsteht einfach von selbst... vielleicht auch weil mein musikalischer Kosmos nicht auf eine Stilistik beschränkt ist und mich immer wieder neue Dinge inspirieren. Das Sprichwort von "himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt" würde ich in dem Zusammenhang aber nicht anwenden, da beide Extreme nicht wirklich zutreffend sind. Vielmehr sind alle Transit Poetry Stücke von einer gewissen Melancholie und Nachdenklichkeit geprägt, aber auch von der innigen Überzeugung, dass es da draußen noch mehr gibt als unser beschränktes physisches Dasein!

[P]: Um auf die Lyrics des feurigen Zweitwerkes zu kommen, erzähl mir ein bisschen was zu den Texten. Wieder sehr bildhaftes poetisches Textwerk, wie wir von dir ja schon gewohnt sind. Drückst du vorwiegend persönliches in deinen Texten aus oder sind es eher andere Ereignisse und Ideen die dich inspirieren und welche du dann umsetzt?

Sascha: Sicher fließt Persönliches und Weltgeschichtliches in die Texte mit ein, ich versuche jedoch alles so zu poetisieren, dass eine universelle Leseweise möglich ist und ich nicht das Gefühl haben muss, mich zu entblößen. Allerdings steht Transit Poetry ja unter einer strikten konzeptionellen Vorgabe, die von vorne herein nur gewisse Texte und Themen zulässt. Das heißt nicht, dass ich darüber hinaus nichts zu Papier bringe, aber für Transit Poetry wird halt stark selektiert, was passt und was nicht. Die Poesie gehört also rein konzeptionell zu Transit Poetry und ist auch ein persönlicher Anspruch von mir, da ich platte, naive, unbildhafte Texte absolut grauenvoll finde. Das kann wirklich gute Musik schlichtweg kaputt machen. Ich weiß, dass die meisten Menschen einen Dreck auf Texte geben und meine Ansprüche diesbezüglich extrem hoch sind, aber ich kann halt auch nicht aus meiner Haut. Was die Inhalte angeht, sind immer verschiedene Interpretationen möglich. Es gibt nicht Das eine Thema eines Textes! Meine eigenen Interpretationen möchte ich nun jedoch nur ungern ausbreiten, da es a) den Platz sprengen würde und b) den Leser seiner eigenen Phantasie berauben kann.

[P]: Du bedienst dich ja bei TRANSIT POETRY ausschließlich der englischen Sprache (bis auf das komplett in französisch verfasste "Le Grande Mer Silencieuse" auf dem neuen Album). Könntest du dir für TRANSIT POETRY auch deutsche Texte vorstellen?

Sascha : Nein, deutsche Texte werden auch weiterhin das Metier meines Projektes Eden Weint Im Grab bleiben. Ich sehe keinen Sinn darin, alles bunt durcheinander zu würfeln und wüsste spontan keinen einzigen Grund, der für einen deutschen Transit Poetry Text spräche. Transit Poetry soll in vielerlei Hinsicht möglichst universal sein und da bietet die englische Sprache die weitreichendste Verständnisbasis, wenngleich das nur ein Grund unter vielen ist...

[P]: Um gleich noch auf die sprachliche Ausnahme zu kommen, wie hat es gerade eine Ballade in französischer Sprache auf das Album geschafft? Und für alle nicht französisch sprechenden unter uns, gib doch bitte mal ganz kurz und knapp den Inhalt des Songs wieder.

Sascha:
"La Grande Mer Silencieuse" war wirklich nur eine Ausnahme und ich denke nicht, dass es weitere Experimente dieser Art geben wird. Letztendlich hat die Sprache des Textes auch keine spezielles Bewandtnis, der Inhalt hätte ebenso gut in jeder anderen Sprache transportiert werden können. Ich mag den Klang der französischen Sprache eben sehr gerne und wollte schon immer mal einen derartigen Song machen. Diesmal war die Zeit eben reif dafür, so unspektakulär ist das ;-) Was den Inhalt geht, ist "La Grande Mer..." der Ort in dem Feuer und Wasser am Ende des Albums zusammenfließen und eine Art Seelenozean bilden. Die tiefergehende Deutung bleibt mal wieder der Phantasie der Leser überlassen. Obwohl, da müssen wir wohl erst mal eine Übersetzung auf die Homepage stellen, oder?

[P]:
Wie entsteht eigentlich ein TRANSIT POETRY Song? Kommt zuerst die Musik und dann die Lyrics oder umgekehrt? Benötigst du eine besondere Stimmung oder einen bestimmten Ort, um kreativ zu sein?

Sascha:
Es gibt keine starren Konventionen diesbezüglich. Musik und Texte können in jeder x-beliebigen Reihenfolge entstehen. Wichtig ist mir nur, dass am Ende alles eine Einheit bildet und sich beide Komponenten gegenseitig unterstützen. Im Falle von "Shamanic Passage..." gab es sowohl Vertonungen von Texten als auch Texte, die gewissermaßen aus der Musik resultierten. Was die Stimmung angeht, brauche ich vor allem viel Zeit und Ruhe. Stress und Zeitdruck sind meiner Kreativität nicht gerade förderlich. Am besten kann ich arbeiten, wenn ich einen ganzen Tag Zeit habe, um mich an meinem PC und den Instrumenten auszutoben. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn man lange genug an einem Stück arbeitet, wird es eigentlich immer gut. Und die wenigen Ausnahmen verwirft man eh schon in frühen Stadien der Entstehung. Ansonsten ist es wichtig, den Transit Poetry Songs die nötige Zeit zur Reifung zu geben, denn die Arrangements wachsen oftmals über mehrere Monate bis sie so sind, wie ich sie mir vorstelle. Das ist eine Art ständige Interaktion zwischen dem Song und mir.

[P]: Größtenteils wird eure Musik ja doch von Leuten aus der "Szene" gehört, fühlst du dich mit diesem Gedanken wohl, mit TRANSIT POETRY zur sogenannten "Szene" zu gehören, oder distanzierst du dich eher dazu, und magst es weniger in diese Schublade gesteckt zu werden?

Sascha: Ich persönlich sehe meinen Musikgeschmack, meinen Kleidungsstil oder meine Art zu Denken keiner bestimmten Szene zugehörig. Ich betrachte mich als Individualist und ziehe es vor, mir aus allen Genres genau das herauszugreifen, was mir zusagt. Es gibt nichts Schlimmeres als Engstirnigkeit und Beschränktheit. Wenn man so will, ist Transit Poetry jedoch die Gothic-Seite in mir. Es ist also durchaus beabsichtigt, dass die Band überwiegend das schwarze Publikum anspricht, wenngleich ich davon überzeugt bin, dass unsere Musik aufgrund des hohen Melodie- und Atmosphärenanteils auch vielen normalen Hörern gefallen könnte. Das Problem ist nur sie auch zu erreichen, da dies einer großen Marketingmaschine bedarf. Letztendlich kann man also sagen, ich versuche einfach meine Vision von guter Gothic-Musik zu verwirklichen und freue mich über jeden, der sie mag, egal ob dieser Mensch sich der Gothic-Szene zugehörig sieht oder nicht.

[P]: Nochmals zum Thema "Feuer", da bleibt natürlich die Frage nicht aus: Woran verbrennt sich Sascha Blach gern mal die Finger? Was bringt dich so richtig zum kochen?

Sascha: Nun, ich denke, dass mich so schnell nichts zum Kochen bringt, da ich alles in allem ein eher ruhiger Zeitgenosse bin. Klar, es gibt viele Dinge, die mich tierisch aufregen, aber meistens merkt man mir das äußerlich nicht so sehr an. Aber das Feuer-Album dient ja auch nicht dazu, Dinge zu verarbeiten, an denen ich mir die Finger verbrannt habe oder die mich zu kochen bringen. Naja, und gerne verbrenne ich mir gewiss nicht die Finger. Allenfalls mal am Herd ;-)

[P]: Zurück zum Album... du hast mit TRANSIT POETRY euren ersten Videodreh hinter dir, was hat dich letztendlich überzeugt diesen Schritt zu gehen, und wie war das für dich, so zum ersten mal? Bist du mit dem Resultat zufrieden?

Sascha: Ich musste mich nicht überzeugen lassen, diesen Schritt zu gehen, es hat schließlich niemals Vorbehalte meinerseits diesbezüglich gegeben. Wir hatten dieses Mal schlichtweg das erste Mal die Möglichkeit, ein Video zu drehen und nahmen sie dankend an. Möglich war dies, weil es sich anbietet, eine Coverversion eines bekannten Liedes auch visuell entsprechend in Szene zu setzen, wenn man damit ein paar mehr Leute erreichen kann. Unser Label Omniamedia umfasst auch eine Filmproduktionsfirma, so dass es nahe lag, dafür zusammen zu arbeiten. Ich denke fürs erste Mal haben wir uns sehr gut angestellt, so dass in zwei Tagen alle Szenen im Kasten waren und auch keine Klagen von der Filmcrew kamen. Das Ergebnis ist dann leider unter großem Zeitdruck geschnitten worden, weil die CD mit dem Clip eiligst ins Presswerk wollte. Aber bis auf ein paar Kleinigkeiten sind wir alle sehr zufrieden. Es ist auf jeden Fall ein unkonventionelles Video, was so durchaus beabsichtigt war.

[P]: Was gibt es noch für Besonderheiten auf dem neuen Album zu entdecken? Ich denke da z.B. an eine gewisse wirklich gelungene Coverversion und zwei wundervolle von dir gesprochene Gedichte zwischen den Songs... Zweiteres ist ja nicht so sehr alltäglich und kaum auf Werken mir bekannter Künstler zu finden. Was willst du dem Hörer damit nahe bringen?

Sascha:
Die Besonderheiten muss schon jeder Hörer für sich entdecken, schließlich will ich nicht alles vorweg nehmen;-) Die "Blueprint" Coverversion von den Rainbirds war ein Song, den ich schon seit langem mal nachspielen wollte, aber irgendwie hat es sich erst kurz nach dem ersten Transit Poetry Album ergeben. Wir haben den Song dann immer live gespielt und nachdem er überall sehr gut ankam, konnte ich ihn natürlich nicht einfach von der Platte fernhalten, wie ursprünglich geplant. Da der Song nichts mit dem Konzept zu tun hat, ist er als Bonustrack aufgeführt. Dass wir gerade dazu das Video gedreht haben, war eine Marketing-Überlegung des Labels, da wenn dann wohl damit die Chance besteht, mal im TV gespielt zu werden. Die beiden Gedichtvertonungen lagen ja nahe, nachdem bei Transit Poetry eigentlich eh jeder Text ein Gedicht ist und da man mir nachsagt, dass ich eine schöne Sprechstimme habe, konnte ich mir das nicht nehmen lassen;-) Ich finde diese atmosphärischen Zwischenstücke lockern das Album etwas auf und wenn es sich anbietet, werden auch auf den nächsten Platten wieder derartige Parts stehen. Let`s see...

[P]: TRANSIT POETRY hast du ja 2002 so zu sagen ganz allein ins Leben gerufen, und es ist ein Projekt bei dem du alles selbst in die Hand nimmst. Auch beim neuen Album hast du wieder alles selbst geschrieben, produziert, eingespielt und gemischt. Allerdings, wenn du live unterwegs bist hast du ne Hand voll Musiker dabei, und auf eurer neu gestalteten Homepage gibt es auch ne Menge Bandfotos zu sehen. Ist nun TP noch zu 100% dein eigenes Ding oder kann man euch jetzt doch eher als Band bezeichnen?

Sascha: Ja, also die Handvoll Musiker sind eigentlich gar keine Hand voll, weil wir live "nur" zu viert sind. Andrei Alexandru an der Gitarre, Melanie Starklauf am Bass, Stefan Siegl am Keyboard/Sampler und ich am Mikro. Ich würde Transit Poetry schon als Band bezeichnen, allerdings nicht im konventionellen Sinne. Im Studio arbeite ich weitestgehend alleine (Andrei durfte dieses Mal immerhin die Gitarrenspuren doppeln;-)), aber live sind wir eine feste Band und die Besetzung ist auch von Beginn an die selbe geblieben. Mir ist es wichtig, dass wir uns alle auch privat sehr gut verstehen und die anderen Musiker noch ihre eigenen Standbeine haben, so dass es keine Egokriege gibt. Dennoch identifiziert sich jeder mit Transit Poetry als "unserer Band", deswegen gibt es nun auch richtige Bandphotos und im Video sind wir auch alle zu sehen. Wenn die anderen es noch etwas mit mir aushalten, wird das auch in Zukunft so sein ;-)

[P]: Wie sieht`s in näherer Zukunft aus, werdet ihr irgendwann dieses Jahr noch mit dem neuen Material live zu sehen sein? Und wenn ja, was erwartet einen TRANSIT POETRY Konzertbesucher, wenn ihr die Bühnen unsicher macht?

Sascha:
Wir spielen sehr gerne live, allerdings haben wir uns für die Zukunft vorgenommen, etwas wählerischer zu sein, weil Konzerte mit schlechten Rahmenbedingungen weder uns noch den Zuschauern Spaß machen. Es wird wohl schlichtweg davon abhängen, ob die Leute ein Interesse haben, uns mit den neuen Songs live zu sehen. Wenn der Bedarf besteht, ergibt sich alles weitere von alleine. Wenn wir allerdings das Gefühl haben, uns überall nur aufzudrängen, kann es durchaus sein, dass wir die Live-Aktivitäten erst mal etwas zurückschrauben werden. Ideal wäre eine Support-Tour für eine bekannte Combo, aber da stehen bekanntlich sehr viele kleine Bands Schlange...

[P]:
Neben TRANSIT POETRY gibt es in deinem Leben noch DESPAIRATION, die Band bei der du als Sänger aktiv bist und einige Texte beisteuerst, und dein anderes Soloprojekt EDEN WEINT IM GRAB gibt es ja auch noch. Wie bringt man drei so verschiedene Projekte unter einen Hut?

Sascha:
Mal davon abgesehen, dass ich bei Despairation nicht einige sondern alle Texte beisteuere (so viel Genauigkeit muss sein;-)) ist es eigentlich nicht schwer, alles unter einen Hut zu bekommen. Von den Zeitplänen her gibt es keine Überschneidungen, da keine dieser Bands auf große Tourneen geht und es durchaus zu bewerkstelligen ist, mehrere verschiedene Alben über einen längeren Zeitraum zu produzieren. Ich kann mir eher umgekehrt nicht vorstellen, dass ich alle meine musikalischen Ideen und Vorlieben bei einer einzigen Band verwirklichen könnte. Man stelle sich einmal vor, wie die Despairation-Kollegen gucken, wenn ich die Texte und den Gesang von Eden Weint Im Grab dort mit unterbringen will. Das muss nun wirklich nicht sein. Ich denke allein schon aufgrund der musikalischen und textlichen Unterschiede haben alle drei Bands ihre Existenzberechtigung.

[P]:
Besteht da nicht die Gefahr das sich irgendwann alles ein wenig ähnlich anhören könnte, oder was naheliegender ist, dass man eines der Projekte vernachlässigt weil einfach keine Zeit bleibt?

Sascha: Bisher hören sich doch alle Bands unterschiedlich genug an, oder? Wie gesagt, ich denke es schlagen genug Herzen in meiner Brust, dass es da zu keinen ernsthaften Problemen kommen wird. Zumal ja bei Despairation auch unserer Gitarren-Held Martin den Großteil der Musik schreibt und Transit Poetry und Eden Weint Im Grab gegensätzlicher nicht sein könnten. Klar, muss man aufpassen, dass man nicht plötzlich die Stilelemente vermischt, aber da kann man im Laufe einer Albumproduktion immer noch rechtzeitig die Reißleine ziehen und einen Song noch für ein anderes Projekt umarrangieren. Was die Zeit angeht, habe ich momentan glücklicherweise noch keine großen Engpässe, obwohl meine Magisterarbeit momentan sehr viel Zeit frisst. Wie es nach meinem Studium nächstes Jahr aussieht, bleibt abzuwarten. Ich denke aber nicht, dass ich ein Standbein aufgeben werde, solange ich genug Ideen habe. Es werden allenfalls die Pausen zwischen den Veröffentlichungen größer.

[P]:
Und woher nimmst du die all die Ideen für gleich 3 Projekte, welche allesamt ja sehr anspruchsvoll sind. Hast du eine Art "Inspirations- Überschuss"?

Sascha: Nee, leider nicht. Da steckt durchaus harte Arbeit hinter, am Anfang steht ja immer die komplette Stille und ein leeres Blatt Papier. Diese Komponenten zu füllen, kann mitunter ganz schön mühsam sein. Aber in mir ist irgendwas - Kreativität, Ehrgeiz, Idealismus oder was auch immer - das mich vorantreibt. So kommt es, dass mir einfach etwas fehlt, wenn ich ein paar Tage lang keine Musik machen kann. Leider muss auch ich häufig Dinge in den Vordergrund stellen, die weniger Spaß machen, aber alles andere wäre wohl auch eine Utopie. Dass es bei mir drei Bands/Projekte sind, hat einfach damit zu tun, dass mein musikalischen Vorlieben so breit gefächert sind. Vorstellen könnte ich mir auch noch Projekte in vielen anderen Stilistiken, aber dazu fehlt mir leider wirklich die Zeit.

[P]: Und welches der drei ist nun wieder an der Reihe?

Sascha: Im Moment steht erst einmal mein Literaturwissenschafts-Studium an vorderster Front, denn das neigt sich langsam dem Ende entgegen und Dinge wie eine Magisterarbeit und Magisterprüfungen erledigen sich leider nicht von alleine. Ansonsten arbeiten wir ja schon seit vielen vielen Monaten an neuen Despairation-Songs, was sich wohl auch noch über viele weitere Monate erstrecken wird, da die Despairation-Mühlen mittlerweile eher langsam mahlen. Was Eden Weint Im Grab und Transit Poetry angeht, werde ich nun erst mal ganz relaxt Songs für meine beiden Kinder schreiben. Die Kreativität wird den Weg schon weisen. Momentan gibt es also keine fixen Pläne, was die Zukunft angeht...

[P]:
Da du ja auch noch für Musikmagazine schreibst, und ab und an auch als DJ zu sehen bist, bleibt eine weitere Frage nicht aus: Gibt es überhaupt Tage bei dir im Leben, die mal gar nichts mit Musik zu tun haben und wie sehen diese dann aus?

Sascha:
Nein, die gibt es höchst selten, aber mir fehlt nichts, denn außerhalb von Musik und Literatur interessiert mich auch recht wenig. Wenn ich nicht gerade selber Songs schreibe, bearbeite oder produziere, arbeite ich den stetig nachwachsenden Stapel mit CD-Rezensionen oder meine Interviews mit anderen Bands ab. Zusätzlich laufen ja die ganzen Management-Fäden aller drei Bands bei mir zusammen, so dass auch immer allerlei Organisatorisches zu tun ist. Dafür - und für das Studium - geht der Großteil meiner Zeit drauf, aber ich habe keine Grund zu Klage.

[P]:
Noch ein paar letzte Worte an die Leser dieser Zeilen?


Sascha: Die schwierigste Frage am Schluss ;-) Ich belasse es einfach beim üblichen Dankeschön an die tapfere Interviewerin und die nicht minder tapferen Leser, dass sie bis zum Ende durchgehalten haben. Alles Weitere zu Transit Poetry gibt es auf unserer Webseite.

[P]: Und ich bedanke mich ganz herzlich bei dir, Sascha, für das geduldige Beantworten meiner Fragen. Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft mit all deinen Projekten und viel Erfolg mit dem neuen feurigen TRANSIT POETRY Zweitwerk!

Link:
www.transitpoetry.de